Einblicke in unser Wissen, unsere Arbeit und aktuelle Themen rund um Bauschadstoffe – fundiert, praxisnah und verständlich.
Aktuelle Medienberichte, unter anderem des SRF, sorgen für Verunsicherung in Schweizer Kinderzimmern: In verschiedenen Ländern wurden in Spiel- und Bastelsand Rückstände von Asbest nachgewiesen. Während Asbest in der Schweiz seit 1990 in Baustoffen verboten ist, zeigt dieser Fall, dass Schadstoffe auch über globale Lieferketten und natürliche Verunreinigungen den Weg zu uns finden können. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Produkte betroffen sind, warum Asbest im Sand vorkommen kann und wie Sie bei einem Verdacht richtig reagieren.
Was ist das Problem und wo kommt der Asbest vor?
Bei den belasteten Produkten handelt es sich nicht um klassischen Sandkasten-Sand für den Aussenbereich, sondern primär um Produkte für den Innenbereich:
Der Asbest wird diesen Produkten nicht absichtlich beigefügt. Es handelt sich um sogenannten „geogenen Asbest“. Das bedeutet, dass die mineralischen Rohstoffe (oft Gesteinsmehl aus Marmor oder kalkhaltigen Gesteinen) bereits in der Natur mit Asbestmineralen wie Tremolit oder Chrysotil verunreinigt sind. Werden diese Gesteine ohne strenge Kontrollen zu Spielsand verarbeitet – was insbesondere bei Billigprodukten aus China der Fall sein kann –, gelangen die Fasern direkt ins Endprodukt.
Wie wird Asbest in Spielsand erkannt?
Asbestfasern sind mit dem blossen Auge nicht erkennbar. Auch der Geruch (bitte niemals an verdächtigen Materialien riechen!) oder die Textur des Sandes geben keinen Aufschluss über eine Belastung. Verdachtsmomente ergeben sich vor allem durch:
Wichtig: Eine zuverlässige Identifikation ist ausschliesslich im Labor möglich. Mittels Rasterelektronenmikroskopie (REM) und energiedispersiver Röntgenmikroanalyse (EDX) können selbst geringste Konzentrationen im ppm-Bereich (parts per million) sicher nachgewiesen werden.
Welches Risiko birgt der Sand für Kinder?
Asbest wird dann zur Gefahr, wenn die Fasern eingeatmet werden und in die Lunge gelangen. Bei Spielsand im Innenbereich ist das Risiko einer Staubbildung beim Sieben, Schütten oder Umfüllen besonders hoch.
Für Kinder ist die Situation kritischer als für Erwachsene:
In der Schweiz gilt gemäss Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV) ein strenges Verbot für das Inverkehrbringen von asbesthaltigen Gegenständen (Grenzwert Gewichtsprozent). Bei Spielzeug greift zudem die Spielzeugverordnung (VSS), die Hersteller zur Sicherheitsbewertung verpflichtet.
Was tun bei einem Verdacht? (Vorgehen und/oder Entsorgung)
Falls Sie vermuten, belasteten Sand zu Hause oder in Ihrer Institution (Kita, Schule) zu haben, sollten Sie folgende Vorsichtsmassnahmen treffen:
Fazit
Auch wenn das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) aktuell noch keine flächendeckenden Funde in der Schweiz bestätigt hat, ist Wachsamkeit geboten. Als Experten für Schadstoffdiagnostik empfehlen wir, bei Billigprodukten aus unsicherer Herkunft vorsichtig zu sein.